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Wie die deutsche Regierung die Förderung der KMU torpediert

Wirtschaftswachstum, so heißt es allenthalben, sei der einzige Schlüssel, der in das deutsche Wohlstandsschloss passt, und somit die Tore zu Stabilität und Prosperität zu öffnen vermag. Darum überbieten sich auch sämtliche Politiker gegenseitig in der Lautstärke und Vollmundigkeit, mit der sie gleichsam gebetsmühlenartig die umfassende Förderung kleiner und mittelständischer Unternehmen (kurz KMU) propagieren und fordern. Doch wenn sich tatsächlich einmal die legale Möglichkeit zur Wirtschaftsförderung der kurzen und geraden Wege am Horizont abzeichnet, dann wird es urplötzlich in den Reihen der angeblichen Volksvertreter beängstigend still. Dann wird hinter dem welken Feigenblatt absichtsvoll missverstandener Demokratie in kontraproduktiver Perfektion gemauert und geblockt, was das Zeug hält. Als grausam aktuelles und bestürzend realsatirisches Beispiel dafür, wie die politischen Trainingsweltmeister drohende Erfolgsnachrichten einheimischer Unternehmen schon im Vorfeld nachhaltig zu vereiteln wissen, soll an dieser Stelle das Trauerspiel um die „Europäische Privatgesellschaft“ dienen. Und das ist leider bitter ernst zu verstehen.

Wie die deutsche Regierung die Förderung der KMU torpediert
Wie die deutsche Regierung die Förderung der KMU torpediert

Börsengang = Untergang

Wenn ein Unternehmen nach der Möglichkeit sucht, schnell zu viel frischem Kapital zu kommen, dann schielt so manches Managerauge in der Chefetage nach dem Börsenparkett. Denn einer Aktiengesellschaft strömen die Gelder ja quasi von alleine zu. Oder etwa doch nicht so wirklich? Fakt ist, dass man als Unternehmen schon eine ordentliche Größe haben muss, damit das wirklich funktionieren kann. Und selbst wenn der Schritt zur „AG“ rein technisch gelungen sein sollte, ist es für das Unternehmen immer noch ein weiter Weg bis zu den Fleischtöpfen Ägyptens. Und der führt mitten durch Aufsichtsratssitzungen, Aktionärsversammlungen, Analystengestammel und börsenöffentliche Strategiespiele. Kluge Entscheider wissen es längst: Der Weg an die Börse ist, insbesondere für KMU, in Wahrheit nicht der Königsweg zum Kapital, sondern im Gegenteil die teuerste aller Möglichkeiten, an Geld zu kommen. Das sollte man also tunlichst bleiben lassen, wenn man keine Lust auf eine baldige Insolvenz oder eine drohende Zerschlagung hat. Doch wenn Aktien keine Lösung sind, was kann es stattdessen sein?

Europa reicht eine helfende Hand – und die deutsche Politik beißt herzhaft hinein!

Die Rechtsform der „Europäischen Privatgesellschaft“ (auf Lateinisch „Societas Privata Europaea“, abgekürzt „SPE“) wurde in ihren Anforderungen exakt auf die Bedürfnisse und die Möglichkeiten von KMU zugeschnitten. Der Schuh passte auf Anhieb so perfekt, dass sogar die streitbaren Verbände VDMA (Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau) und BDI (Bundesverband der Deutschen Industrie) des Lobes voll waren. Keine sinnlosen Mehrfachverwaltungsarbeiten mehr, stattdessen die elegante Integration unterschiedlicher Länderregelungen – Unternehmerherz, was wolltest Du mehr? Nun – vielleicht hätte man sich im selben Atemzug noch etwas mehr Hirnschmalz für die deutsche Regierung wünschen sollen. Denn die lehnt diesen Ansatz zur Minimierung von wachstumsfeindlichen Reibungsverlusten in aller grenzdebilen Konsequenz mit der Begründung ab, dass es in einer Europäischen Privatgesellschaft nicht genug Mitbestimmungsmöglichkeiten gäbe. Und tschüss.

Liebe Politiker! Hört bitte endlich damit auf, frei flottierend rumzuwulffen, und fangt stattdessen zügig damit an, mit dem Herz auf dem rechten Fleck die rechten Dinge zur rechten Zeit zu tun. Sonst glaubt Euch bald wirklich keiner mehr, dass ihr es mit der dringend und zwingend nötigen Förderung von deutschen KMU wirklich ehrlich meint.

-Carina Collany-

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