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Musenküsse Fehlanzeige. Oder: Welchen Text schreib ich, wenn mir kein Text einfällt?

Klavier spielen müsste man können. Am besten so gut und so virtuos wie der einzigartige Udo Jürgens. Denn wenn auch das Blatt Papier vor ihm weiß und leer blieb, so konnte doch das, was er „ihr“ sagen wollte, sein Klavier sagen. Beneidenswert. Ich sitze hier nämlich vor einem ebenso unfreiwillig jungfräulichen Zettel, treffe keinen vernünftigen Ton und ringe mit den Worten. Oder ringen sie mit mir? So oder so hockt meine Muse schmollend in der Ecke und zeigt sich allen freundlich lockenden Aufforderungen, mich doch bitte endlich mal herzhaft zu küssen, hartnäckig abgeneigt. Dermaßen schnöde auf mich allein gestellt, begebe ich mich ergebnisoffen in Klausur. Ich lasse meine Gedanken unbewertet und unzensiert vorüberziehen, konzentriere mich krampfhaft auf die Dünungen im Sand meines Zen-Gartens, koche mir einen leckeren Kaffee und lausche dem Schimpfen eines aufgebrachten Amselhahns, der draußen seinen Buxus bis aufs Blut zu verteidigen bereit ist. Doch was ich auch tue und treibe – eine zündende Idee für einen flammneuen Text will sich mir einfach nicht in den mentalen Weg werfen. Ich glaube, ich habe einen Schreibkrampf. Und eine verbale Ladehemmung noch dazu. Mir fehlen buchstäblich die Worte. So wird das nie was mit meinem Text.

Musenküsse Fehlanzeige. Oder Welchen Text schreib ich, wenn mir kein Text einfällt - © blaQ - Fotolia.com
Musenküsse Fehlanzeige. Oder Welchen Text schreib ich, wenn mir kein Text einfällt – © blaQ – Fotolia.com

Mit einem Anflug von Resignation lasse ich meine Maus, die schon mit den Hufen scharrt, aufs Internet los. Ich habe nämlich eine perfekt ausgebildete Jagdmaus. Die spürt alles für mich auf. Wirklich alles. Und jetzt findet sie, mit freundlicher Empfehlung einer führenden Suchmaschine, die Adresse www.onlinetexte.com im weltweiten Netz. Hoppla! Ich stöbere ein wenig in den dort reichhaltig angebotenen Teasern und lasse mich von einem farbenprächtigen Kaleidoskop spannender Inhalte inspirieren. Sogar meine bockige Muse kommt neugierig angeschwebt, um einen beiläufigen Blick auf Beckums taffe Textvorräte zu riskieren. Und was soll ich sagen? Schon nach wenigen Minuten des Diagonallesens schlägt die bis dato eher depressive Stimmung meiner Muse in stürmische Schmuselaune um. Zwischen zwei feurigen Küssen raunt sie mir ins Ohr, das ich doch mal einen Text darüber schreiben könnte, was man für einen Text schreiben kann, wenn man gerade keine so wirklich gute Idee für einen Text hat.
Da hätte ich auch wirklich selbst drauf kommen können.

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